Vier Tore und Vierzig Stufen

- sind der Weg zur Selbsterkenntnis
Steinstufen
Hans Genthe/Fundus
Laut der Lehre der 4-Tore-40-Stufen durchschreiten Alevitinnen und Aleviten verschiedene Stufen geistlicher Entwicklung, um Einheit mit der Wahrheit zu erreichen. (Symbolbild)
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Die „Vier Tore und Vierzig Stufen“, auf Türkisch Dört Kapi Kirk Makam“, beschreiben den einen spirituellen alevitischen Weg. Alevitinnen und Aleviten beschreiten diesen Weg, um Selbsterkenntnis zu erlangen. Er wird von einer Geistlichen, die Ana genannt wird oder einem Geistlichen, der Pir oder Dede genannt wird, begleitet.

Jedes der vier Tore hat eine Besonderheit und besteht aus jeweils zehn Stufen. Die einzelnen Stufen sind moralische Anleitungen, die ein gutes Zusammenleben aller Menschen ermöglichen.

4 Tore und 40 Stufen, um den eigenen Geist weiterzuentwickeln

Alevitinnen und Aleviten glauben, dass sie durch die heilige Kraft die Erkenntnis der Wahrheit Gottes erlangen, wenn sie nach der Lehre der 4-Tore-40-Stufen leben. Der Mensch durchschreitet die verschiedenen Stufen geistlicher Entwicklung, um Einheit mit der Wahrheit zu erreichen. Dieser Vorgang heißt die Vervollkommnung des Menschen, auf Türkisch Insan-ı Kamil.

  1. Das erste Tor heißt Seriat, das Tor des Gesetzes oder auch der Ordnung. Hierbei geht es vor allem um die Grundregeln eines guten Zusammenlebens.
     
  2. Das zweite Tor heißt Tarikat, das Tor zum mystischen Pfad. Damit ist der mystische Weg gemeint, der durch ein rituelles Versprechen, das Ikrar, zum Eintreten in den alevitischen Weg beginnt. Das Ziel dabei ist, die Sinnhaftigkeit des Glaubens zu verstehen. Um dieses Ziel zu erreichen, benötigt der Mensch einen Wegweiser, der Rehber heißt und der einen begleitet und Beistand leistet.
     
  3. Das dritte Tor heißt Marifet, das Tor zur Erkenntnis. Hierbei ist die mystische Erkenntnis gemeint. Sie wird benötigt, um die Vervollkommnung zu erreichen. Der Mensch soll beispielsweise aufrichtig sein, Wissen und Erkenntnis erlangen und zudem sich stets selbst reflektieren, um eine Selbsterkenntnis zu erlangen.
     
  4. Das vierte Tor heißt Hakikat, das Tor zur Wahrheit. Im Mittelpunkt des alevitischen Glaubens steht der Mensch als eigenverantwortliches Geschöpf, das sich selbst sucht und erkennen will. Er beschäftigt sich mit Fragen wie Wer bin ich? Wo komme ich her? Wo werde ich hingehen?" Dieses letzte Tor stellt somit das verinnerlichte Wissen der vorangegangenen Tore dar.