Das Gebiet, auf dem heute Deutschland liegt, war lange vom Christentum geprägt. Im Mittelalter gab es nach der Verfolgung des Glaubens an die germanischen Götter und Göttinnen nur noch eine religiöse Minderheit, und zwar Jüdinnen und Juden. Schon im Jahr 321 unserer Zeitrechnung wird die jüdische Gemeinde in Trier in einem Text erwähnt. Sie ist aber noch viel älter und damit älter als das Christentum. Die ersten Muslime siedelten sich im 18. Jahrhundert als Soldaten der preußischen Armee im Land an. Vorher gab es bereits einige, die als Gefangene aus ihren Herkunftsländern verschleppt wurden. Zu dieser Zeit entstand auch die Idee der Religionsfreiheit, wie sie heute gültig ist.
Die Arbeitsmigration der 1960er Jahre
Seit der Mitte des vergangenen Jahrhunderts hat sich die Situation grundlegend verändert. Nach den Massenmorden der Nationalsozialisten an Jüdinnen und Juden, den Roma und Romnja, Homosexuellen, Kriegsgefangenen und anderen Menschen und dem Krieg, den sie begonnen und verloren hatten, musste das Land völlig neu aufgebaut werden. In den 60er Jahren lud die deutsche Bundesregierung Menschen aus vielen Ländern nach Deutschland ein, um hier zu arbeiten. In anderen Ländern gab es zu dieser Zeit sehr wenige Arbeitsplätze oder Chancen, Geld zu verdienen. Damals glaubten viele, dass diese Menschen nach ein paar Jahren wieder in ihre Herkunftsländer zurückkehren würden. Daher wurden sie „Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter" genannt. So kamen in dieser Zeit vor allem aus der Türkei viele Alevitinnen und Aleviten, Musliminnen und Muslime sowie Jesidinnen und Jesiden. In den 1970er Jahren kamen Hindus aus Sri Lanka und Buddhistinnen und Buddhisten aus Vietnam dazu, die wegen Krieg und Verfolgung aus ihren Ländern fliehen mussten.
Deutschland als Sehnsuchtsort
Mit der Zeit kamen immer mehr Menschen aus unterschiedlichen Ländern nach Deutschland, um hier zu arbeiten, eine Familie zu gründen oder ein neues Leben, frei von Verfolgung, Krieg, Hunger oder Armut zu beginnen. In Deutschland leben heute Menschen aus jedem anderen Land der Welt. Viele haben in den zurückliegenden Jahrzehnten eigene Versammlungsstätten, Gotteshäuser, Tempel oder andere Gebäude gebaut und Gemeinden gegründet. So haben alle Religion der Welt auch in Deutschland ein Zuhause gefunden.