Hallo, Noah. Der Pastafarianismus ist eigentlich keine Religion, sondern eine sogenannte „Religionsparodie". Damit ist gemeint, dass er ganz gezielt erfunden wurde, um andere Religionen zu kritisieren. Der Erfinder des „Pastafarianismus" ist sich also völlig darüber im Klaren, dass es sich nicht um eine echte Religion handelt. Es gibt aber einige Punkte, an denen die Kritik an den anderen Religionen sehr anschaulich wird und dabei humorvoll verpackt ist.
Das Fliegende Spaghettimonster
Im Pastafarianismus steht das „Fliegende Spaghettimonster" als Gottheit im Mittelpunkt. Die Form dieser „Gottheit" aus Nudeln und Fleischbällchen ist dabei ganz bewusst möglichst absurd. Dass es das Spaghettimonster gibt, wird damit „bewiesen", dass es noch niemandem gelungen ist, zu beweisen, dass es das Spaghettimonster nicht gibt. Mit genau derselben Begründung versuchen einige Christinnen und Christen die Existenz ihres Gottes zu beweisen. Die Pastafari sagen: Mit diesem Argument können die absurdesten Dinge behaupten werden, solange sie sich nicht widerlegen lassen. Statt selbst seinen Gott zu beweisen, wird verlangt, dass die anderen beweisen, dass es ihn nicht gibt. Außerdem bezeichnen sie das Fliegende Spaghettimonster häufig nur als „ER". Das machen sie, um vor allem das christliche Gottesbild zu kritisieren, das aus ihrer Sicht Gott zu sehr als Mann beschreibt, obwohl Gott, genauso wie Nudeln, kein Geschlecht haben dürfte.
Religiöse Kopfbedeckungen
Die Pastafari tragen während ihrer Versammlungen, die sie Nudelmessen nennen, häufig Nudelsiebe auf dem Kopf. In einigen Ländern haben Pastafari sogar versucht, Ausweis- oder Führerscheinfotos mit Nudelsieb auf dem Kopf bei den Behörden abzugeben. Diese wurden aber immer wieder abgelehnt. Pastafari sagen: Die Unterscheidung, was als ernsthafte religiöse Kopfbedeckung gelten darf und was nicht, treffen Behörden völlig willkürlich und geben damit bestimmten religiösen Gruppen Sonderrechte.
Das Evangelium des Fliegenden Spaghettimonsters
Als Schrift ihrer Religionsparodie haben die Pastafari das „Evangelium des Fliegenden Spaghettimonsters". Es soll dem Piraten Captain Mosey vom Fliegenden Spaghettimonster überreicht worden sein. Schon in der Einleitung steht, dass es „Ungenauigkeiten, Fehler und dreiste Lügen" enthält. Dass das Spaghettimonster seinen Anhängerinnen und Anhängern nicht genau sagt, wo diese zu finden sind, ist angeblich ein Beweis für seine große Weisheit. Pastafari sagen: Alle heiligen Schriften sind voller Widersprüche und ergeben wörtlich insgesamt kaum einen Sinn.
Die 8 „Am liebsten wäre Mir's"
Ein wichtiger Teil ihres „Evangeliums" sind die 8 „Am liebsten wäre Mir's". Sie sollen die Zehn Gebote der Bibel nachahmen und sind bewusst nicht als Befehle, sondern als Bitten verfasst. Darin beschreibt das Spaghettimonster, wie seine Anhängerinnen und Anhänger mit anderen Menschen umgehen sollten. So ist die erste Bitte, niemanden zu bekehren, da das Spaghettimonster nicht eitel ist und gut damit leben kann, wenn nicht alle Menschen denselben Glauben teilen. Ebenso sollte kein Geld für riesige Tempel ausgegeben werden, sondern stattdessen das Geld genutzt werden, um andere Menschen zu helfen. Auch in den anderen Bitten geht es darum, andere Menschen respektvoll zu behandeln und besonders den eigenen Glauben nicht als Ausrede für Feindschaft, Hass oder Gewalt zu missbrauchen. Pastafari sagen: Wenn religiöse Menschen sich selbst etwas weniger ernst und andere dafür ernster nehmen würden, ginge es der Welt besser.
Die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters
In Deutschland ist die „Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters" ein eingetragener Verein mit einigen hundert Mitgliedern. Immer wieder machen sie mit Aktionen auf sich aufmerksam, zum Beispiel, wenn sie versuchen, ihre Nudelmessen an den Schildern am Ortseingang zu bewerben, auf denen die Kirchen ihre Gottesdienstzeiten veröffentlichen. Auch hier geht es darum, Sonderrechte für bestimmte Religionen bewusst zu machen. Die meisten Pastafari sehen sich als Atheistinnen und Atheisten und wollen über Sonderregeln für Religionen aufklären und dafür sorgen, dass diese abgeschafft werden. Anders als andere atheistische Organisationen tun sie das nicht über offene Angriffe auf die Kirchen und andere Religionsgemeinschaften, sondern über das Lächerlichmachen in Form ihrer eigenen Aktionen und Glaubensinhalte.