Rastafari

- glauben an einen Gott und kämpfen gegen die Unterdrückung Schwarzer Menschen
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Rastafari gibt es auf der ganzen Welt, aber die meisten leben im Inselstaat Jamaika in der Karibik. Alle dürfen sich als Rastafari bezeichnen, die sich so fühlen. Sie tun das entweder aus religiöser Überzeugung oder weil sie die Lebensart der Rastafari bewundern. 

Schwarz ist für Rastafari die Farbe der Unterdrückten

In den 1930er-Jahren waren viele Schwarze Menschen in Amerika und dort vor allem in der Karibik unzufrieden. Ihre Vorfahren waren von den Europäerinnen und Europäern als Sklavinnen und Sklaven aus Afrika dorthin entführt worden und durften ihre Kultur, ihre Religion und ihre Sprache nicht ausleben. Auch nach dem Ende der Sklaverei im 19. Jahrhundert wurden sie nicht als gleichwertige Menschen anerkannt, sondern weiterhin unterdrückt.

Viele fanden in der Bibel eine Geschichte, die ihrer eigenen ähnelte. Wie die Jüdinnen und Juden in Ägypten, so waren auch die Schwarzen Menschen in Amerika Sklavinnen und Sklaven gewesen. Und wie für die Jüdinnen und Juden war auch für die Schwarzen Menschen die Rückkehr in ihr ursprüngliches Herkunftsland das Ziel. 

Für viele war Amerika nie eine Heimat gewesen. Sie verglichen den Kontinent, auf dem sie unfreiwillig lebten, auch mit der Stadt Babylon, in der die Jüdinnen und Juden vor 2.500 Jahren nochmals als Gefangene unter fremden Herrschern gelebt hatten. Wie Babylon in der Bibel, so sollte auch die westliche Welt in Amerika und Europa, die von den ehemaligen Sklavenhalterinnen und Sklavenhaltern, den „Weißen“, regiert wurde, untergehen. Die Farbe Schwarz wurde für sie zum Symbol für die Unterdrückten, Weiß das Symbol für die Unterdrücker.

Rastafari verehren afrikanischen Kaiser als Messias

Äthiopien liegt in Ostafrika und war das einzige Land auf dem afrikanischen Kontinent, das nie von den Europäerinnen und Europäern erobert wurde. Im Jahr 1930 wurde in Äthiopien ein neuer Kaiser gekrönt. Sein Name war Haile Selassie und sein Geburtsname Ras Tafari Makonnen". Die Kaiser von Äthiopien waren Christen, hatten aber auch eine sehr enge Verbindung zum Judentum. Sie glaubten nämlich, dass sie vom israelitischen König Salomo abstammten. 

Viele Schwarze Menschen glaubten, dass Haile Selassie ihr Messias sei. Er war schließlich, nach eigenem Verständnis des äthiopischen Herrscherhauses, ein direkter Nachfahre von König David. Im Judentum ist die Abstammung von König David eine der wichtigsten Voraussetzungen dafür, als Messias anerkannt zu werden. Sie erwarteten von diesem Messias aber nicht die Befreiung der Jüdinnen und Juden, sondern die Befreiung der Schwarzen Menschen aus Amerika und ihre Rückkehr in das "Gelobte Land“, das für sie Afrika war. 

Die Entstehung der Rastafari-Bewegung

Auf der Insel Jamaika in der Karibik entstand schnell eine Bewegung, die den äthiopischen Kaiser Haile Selassie als Messias verehrte und sich nach ihm benannte: Rastafari. Eine wichtige Person in den frühen Jahren war Leonard Percival Howell, der auch als Der erste Rasta" bezeichnet wird. Die Bewegung wurde von der Regierung auf Jamaika unterdrückt, doch schlossen sich ihr trotzdem immer mehr Menschen an.

Am Anfang gehörten zum Rastafarianismus noch viele traditionelle Elemente der afrikanischen Religionen. Wichtig waren vor allem Trommeln, rituelle Tänze und Besessenheitsrituale. Besessenheit meint, dass unter dem Einfluss von Rauschmitteln Menschen davon überzeugt sind, dass Geister ihre Körper einnehmen. Dann können diese Geister durch ihren Körper sprechen und handeln. Meist handelt es sich dabei um die Geister der Vorfahren, seltener auch um Gottheiten.

1970er-Jahre: Der Rastafarianismus verändert sich

In den 1970er-Jahren veränderte sich der Rastafarianismus stark. Ein wichtiger Grund dafür war, dass der äthiopische Kaiser Haile Selassie die Welt nicht von den Weißen Menschen erobert hatte. Stattdessen wurde er von seinen eigenen Generälen abgesetzt und ermordet. Die Hoffnung, dass die Rastafari noch zu ihren Lebzeiten die Zerstörung der westlichen Welt erleben würden, hatte sich nicht erfüllt. Stattdessen setzte sich der Glaube durch, dass der Kaiser Haile Selassie in späterer Zeit mit göttlicher Macht vom Himmel herabsteigen und sein Werk vollenden werde. 

Auch die Rituale veränderten sich. Bibellesungen, wie sie aus anderen Kirchen bekannt sind, wurden wichtiger für die Gemeinden. Viele ältere Rituale wurden abgeschafft. Neu hinzu kamen zwei Dinge, für die die Rastafari bis heute bekannt sind: Das Rauchen der berauschenden Pflanze Marihuana, um mit Gott Kontakt aufnehmen zu können, und die ungekämmten Haare, die zu den bekannten Rastalocken oder Dreadlocks führen.

Rastafari: Bis heute eine weltweite Bewegung

Heute gibt es den Rastafarianismus nicht nur in Jamaika. Viele Menschen überall auf der Welt fühlen sich der Bewegung zugehörig. Sie tun das entweder aus religiöser Überzeugung oder weil sie die Lebensart der Rastafari bewundern. Da es keine Rastafari-Kirche gibt, die über Beitritt und Ausschluss entscheidet, gibt es keine Regeln dafür, sich als Rastafari fühlen oder bezeichnen zu dürfen. Auch weiße Menschen fühlen sich zum Rastafarianismus hingezogen. Dazu beigetragen hat vor allem die Reggae-Musik von Bob Marley und anderen Musikerinnen und Musikern. Viele Rastafari sagen heute: „Rasta kennt keine Hautfarbe!“

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