Weltethos

- gemeinsame Regeln aus allen Religionen
Hände verschiedener Hautfarben fassen einander an
© Shvets Production/pexels
Der katholische Theologe Hans Küng war davon überzeugt, dass es in allen Religionen gemeinsame Regeln gibt. Er nannte sie Weltethos.
16.05.2024 - 18:08

Das Projekt „Weltethos“ wurde von einem Mann namens Hans Küng ins Leben gerufen. Er war ein katholischer Theologe und Priester aus der Schweiz. Er beschäftigte sich mit mehreren Religionen und dabei fielen ihm wichtige Gemeinsamkeiten auf. Zum Beispiel gibt es eine Regel, die in vielen Religionen gültig ist. Sie wird oft „Goldene Regel“ genannt. Sie besagt, dass wir andere Menschen so behandeln sollen, wie wir selbst behandelt werden wollen. Die „Goldene Regel“ steht etwa in der Bibel der Christinnen und Christen und im Judentum bei Rabbi Hillel. Etwas anders formuliert findet sie sich auch im Mahabharata der Hindus und im Koran der Musliminnen und Muslime. Auch im Konfuzianismus ist diese Regel bekannt. Die Goldene Regel möchte, dass Menschen sich in die Lage von anderen hineinversetzen. Das soll ihnen bewusst machen, wie es sich anfühlt, wenn mit ihnen schlecht oder ungerecht umgegangen wird.

Hans Küng war davon überzeugt, dass es Regeln gibt, die in allen Religionen enthalten sind. Das nannte er Weltethos. Dabei ging es ihm nicht darum, eine Einheitsreligion zu erfinden oder zu gründen, sondern er wollte auf die verbindenden Werte aller Religionen aufmerksam machen. Außerdem glaubte er, dass es ohne Weltethos keinen Frieden auf der Welt geben kann. Diese Ideen fanden auch andere Menschen so überzeugend, dass sie zusammen eine Stiftung gründeten und sich seitdem für ein interreligiöses Miteinander einsetzen.

Das Parlament der Religionen

Im Jahre 1993 trafen sich Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Religionen aus der ganzen Welt zum Parlament der Religionen. Ein Parlament ist eine Versammlung von Vertreterinnen und Vertretern, die gemeinsam Entscheidungen treffen. Das Wort kommt vom französischen „parler“, was sprechen bedeutet. Parlamente gibt es in fast allen Ländern, in Deutschland heißt es Bundestag. 
Im Parlament der Religionen unterzeichneten die Vertreterinnen und Vertreter der Religionen eine Erklärung zum Weltethos. Sie wollten damit neben den allgemeinen Menschenrechten auch auf menschliche Pflichten aufmerksam machen.

Dazu gehören:

  • Menschlichkeit
  • Goldene Regel
  • Gewaltlosigkeit
  • Gerechtigkeit
  • Ehrlichkeit
  • Gleichberechtigung und Partnerschaft
  • Umweltschutz

Diese Erklärung richtet sich sowohl an gläubige Menschen, aber auch an Menschen, die keiner Religion angehören. Es soll ein „Weltethos“ sein, auf den sich alle Menschen verständigen können.

Viele unterstützen die Idee, über Gemeinsamkeiten zu einem friedlichen Miteinander auf der Welt zu kommen. Einige Leuten sagen aber auch, dass der Weltethos ein Projekt aus europäischer Perspektive sei und nicht wirklich Menschen auf der ganzen Welt einbezieht.

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