Blick auf die mit einem schwarzen Tuch umhüllte Kaaba in Mekka.
© Annett Abdel-Rahman
Kiswah
- das schwarze Tuch bedeckt die Kaaba
Haidan/Unsplash
Das Tuch heißt Kiswah und besteht aus schwarzer Seite und schwarzem Brokat.
12.05.2020 - 17:32

Kiswah heißt das große schwarze Tuch, das die Kaaba in Mekka bedeckt. Es wird in jedem Jahr während der Pilgerzeit ausgetauscht.

Die Kiswah gab es schon vor dem Islam. Lange Zeit wurde sie in Ägypten hergestellt. Eine Karawane brachte sie jedes Mal mit einer feierlichen Prozession nach Saudi-Arabien zur Kaaba. Erst 1972 legten Muslime den Grundstein für die "Kiswah Factory" direkt in Mekka. Seither wird das kostbare Gewand fast an Ort und Stelle hergestellt. 
Das Tuch besteht aus schwarzer Seide und schwarzem Brokat. Es ist 14 Meter lang und wiegt 670 Kilogramm. In den Stoff sind Ornamente eingewebt. Außerdem befinden sich im oberen Teil Koranverse. Sie werden mit der Hand eingestickt. Als Fäden verwendet die Stickerei 120 Kilogramm Gold- und 100 Kilogramm Silberdrähte. 

Da die Luftfeuchtigkeit in Mekka sehr hoch ist, geht der Stoff recht schnell kaputt. Außerdem laufen das Gold und das Silber im Laufe der Zeit dunkel an, so dass die Ornamente und die Koranverse immer mehr „verblassen“. Deshalb wird die Kiswah in jedem Jahr erneuert. Dazu sind jeweils 160 Techniker und Kunsthandwerker nötig. Sie nehmen das alte Tuch jeweils am 2. Pilgertag ab. Eine Woche später kommen sie mit dem neuen Tuch wieder. Das geschieht immer am 9. Dhul Hidscha, dem Tag vor dem großen Opferfest der Musliminnen und Muslime. An ihm wandern die Pilgernden nämlich zum Berg Arafat und sprechen dort ihre Gebete. Der Berg liegt 20 Kilometer von Mekka entfernt. Rund um die Kaaba ist es an diesem Tag daher ungewöhnlich leer, so dass die Kiswah in Ruhe angebracht werden kann. 

Das alte Tuch wird oft zerteilt. Viele Pilgernde nehmen sich ein kleines Stück mit nach Hause und bewahren es dort als Andenken in einem schönen Bilderrahmen auf.