Religionen unterscheiden zwischen dem jetzigen Leben, dem Diesseits, und dem Leben nach dem Tod, dem Jenseits. Der Begriff Eschatologie (ausgesprochen Es-chatologie) kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „die letzten Dinge". Gemeint ist damit die Frage, was am „Ende" passiert. Das bezieht sich in den Religionen in der Regel auf zwei Bereiche:
- Was nach dem eigenen Tod passiert, und
- Was mit der Welt insgesamt am Ende passiert.
Muss ich für meine Taten Verantwortung übernehmen?
In vielen Religionen gibt es den Glauben an ein Leben nach dem Tod. Dort muss jeder Mensch für seine eigenen Taten die Verantwortung übernehmen. Wer sich gemäß den Lehren der Religion „richtig" verhalten oder das Richtige geglaubt hat, darf auf eine Belohnung nach dem Leben hoffen. Diejenigen, die Schaden angerichtet oder ihrem göttlichen Auftrag nicht nachgekommen sind, werden im Jenseits bestraft. Um das zu beschreiben, werden Begriffe wie Himmel, Paradies, Hölle und Gericht verwendet.
Hat Eschatologie mit Auferstehung zu tun?
In einigen Religionen gibt es darüber hinaus noch einen Zeitpunkt, an dem sich die ganze Menschheit auf einmal vor Gott verantworten muss. Meist betrifft dies auch diejenigen Menschen, die bereits verstorben sind. Judentum, Christentum und Islam sprechen dann von der „Auferstehung der Toten". In einem „Weltgericht" urteilt Gott über die Menschheit endgültig. In aller Regel wird bei diesem Weltgericht ein Erlöser oder Befreier wichtig, wie der Maschiach im Judentum, die Wiederkehr von Jesus Christus im Christentum oder im Islam die Erscheinung des Imam Mahdi und des Propheten Isa. Sie sollen dafür sorgen, dass Ungerechtigkeit auf der Welt aufhört und die Bösen – manchmal auch ein Teufel oder Satan – endgültig besiegt werden. Die „Gerechten", also diejenigen, die sich richtig verhalten haben, dürfen dann auf der Erde weiterleben. Diese neue Welt ist gerecht und gut, es gibt nichts Böses und Schädliches mehr.
Diese Vorstellungen betreffen aber vor allem Religionen, die von einer bestimmten Vorstellung der Weltgeschichte ausgehen. Sie kennt einen klaren Anfang: die Schöpfung. Und sie kennt ein klares Ende: das Weltgericht. Andere Religionen wie der Hinduismus oder Buddhismus haben eine Vorstellung, die von einem Kreislauf ausgeht. In dieser Vorstellung wird sowohl der Mensch immer wieder geboren als auch die Welt insgesamt immer wieder erneuert, anstatt irgendwann unterzugehen oder völlig umgestaltet zu werden.
Für manche Gruppen ist das Weltende ein zentraler Glaubensinhalt
Auch heute noch gibt es viele Menschen und Gruppen, für die die Eschatologie einen sehr wichtigen Teil ihres Glaubens ausmacht. Ein gutes Leben zu leben und dadurch vor Gottes Gericht zu bestehen, ist für sie ein zentraler Lebensinhalt. Die Eschatologie im Sinne eines Weltendes ist in vielen Religionsgemeinschaften und vor allem vielen christlichen Kirchen heute nicht mehr zentral. Es lässt sich aber beobachten, dass Gruppen, die genau dieses Thema in den Mittelpunkt stellen, immer dann neu entstehen und besonders erfolgreich sind, wenn es große Krisen auf der Welt gibt. Zuletzt gab es einen großen Boom solcher Gruppen während der Corona-Pandemie 2020-2023.