Hochzeit im Jesidentum
- sind sehr wichtig und werden groß gefeiert
Archiv Yezidisches Forum e. V. Oldenburg/Scheich Xwededa Adani
Das Bild zeigt das Ende der Trauungszeremonie durch den Peshimam bzw. Scheich. Als Zeichen des Respektes bedankt man sich in der Regel mit einem Handkuss.
01.09.2022 - 11:53

Hochzeiten haben im Jesidentum eine herausgehobene Bedeutung und gehören zu den wichtigsten Festtagen. In das Jesidentum wird man hineingeboren und hat die religiöse Ordnung zu achten. Die religiöse Ordnung bestimmt als Betreuungs- und Beziehungssystem drei Erbgruppen, denen alle Jesidinnen und Jesidinnen zugeordnet sind. Eine Heirat ist nur zwischen Jesidinnen und Jesiden (Shariet) erlaubt, die zudem der gleichen Erbgruppe (Tariqet) angehören müssen. Eine Heirat mit Andersgläubigen ist also ausgeschlossen.

Für die Eheschließung gibt es keine Vorschrift, die besagt, dass die Eltern über die Ehepartnerin oder den Ehepartner ihrer Kinder entscheiden dürfen. Die Wahl der Partnerin oder des Partners wird von beiden freiwillig getroffen. In Anwesenheit von Zeuginnen und Zeugen vollzieht ein Peschimam oder in Vertretung ein Scheich der Familie die Trauung. Der Peschimam oder der Scheich fragt während der Zeremonie dreimal nach dem Einverständnis des Brautpaares mit der Eheschließung. Die Braut und der Bräutigam müssen bei der Heirat mindestens 16 Jahre alt sein.

Es gibt viele kulturelle Besonderheiten bei einer jesidischen Hochzeit, die sich von Region zu Region unterscheiden können, wie:

  • das Brautpaar bricht gemeinsam ein Stück Brot ab und isst davon,
  • es wird ein geschmückter Baum mit Süßigkeiten aufgestellt,
  • die Hochzeit wird mit vielen Gästen gefeiert und in der Regel von der Familie des Bräutigams organisiert,
  • das Brautpaar wirft ein Gefäß mit Süßigkeiten und Geld auf den Boden.

Für den Hochzeitstermin gelten zwei wichtige Regeln: Im Monat April und am Mittwoch darf nicht geheiratet werden. Der Monat April gilt nach jesidischer Zeitrechnung vom 14.04 bis zum 14.05. eines Jahres. Der Mittwoch ist der heilige Wochentag im Jesidentum. Und der April gilt als Monat der Fruchtbarkeit und wird von den Jesidinnen und Jesiden als die Braut des Jahres (Bûka Salê) bezeichnet.

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