Armensteuer in den Religionen

- unterstützt arme Menschen
Kollekte in einer Kirche, Korb mit Geldscheinen und Münzen
Medio TV/Christian Schauderna/Fundus
Kollekte in einer christlichen Kirche (Symbolbild). Je nach Religion gibt es verschiedene Formen von Spenden, um Bedürftige zu unterstützen. In manchen Religionen ist eine Spende Pflicht, in anderen freiwillig,
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In fast allen Religionen gibt es Formen von Spenden und Abgaben, die den Armen zugutekommen sollen. Eine „Armensteuer“ ist daher keine Steuer, die von Armen bezahlt werden muss, sondern eine Abgabe, um Arme zu unterstützen. Im Mittelpunkt steht dabei die Idee der Gerechtigkeit, der Barmherzigkeit und des Mitgefühls. Doch Spenden sind nicht nur eine Hilfe für Bedürftige, sondern auch ein Zeichen der Dankbarkeit. Sie erinnern Gläubige daran, dass Besitz vergänglich ist und gerecht geteilt werden soll. Allerdings sind die Regeln dazu in den Religionen sehr unterschiedlich.

In manchen Religionen werden zehn Prozent des Einkommens gefordert

Im Judentum gibt es die Zedaka, was „Gerechtigkeit“ bedeutet. Etwa zehn Prozent des Einkommens sollen für wohltätige Zwecke ausgegeben werden. Früher ging dieser Anteil an den Tempel in Jerusalem, heute wird er vor allem für Projekte genutzt, die Menschen helfen sollen, sich selbst zu helfen. Das Ziel ist weniger, einzelnen Menschen zu helfen, sondern Ungleichheit zwischen den Menschen abzubauen.

Auch im Christentum wurde der „Zehnte“ vom eigenen Einkommen an Klöster und Kirchen abgegeben, die Armen speisten, Kranke pflegten und Reisenden halfen. Heute zahlen Christinnen und Christen in einigen Ländern dafür Kirchensteuern, in anderen spenden sie freiwillig an die Kirche. Viele Kirchen engagieren sich im sozialen Bereich und betreiben zum Beispiel Altenheime, Krankenhäuser, Unterkünfte für geflüchtete Menschen oder Bahnhofsmissionen und helfen damit Menschen in Not auf unterschiedlichste Weise.

In der Sikhi gibt es den „Dasvandh“, was ebenfalls „Zehnt“ bedeutet. Wer genug verdient, gibt ein Zehntel des Einkommens ab. Dafür gibt es in Gemeinschaftsküchen, die Langar heißen, für alle genug zu essen und zu trinken. Dies Langar-Küchen gibt es in jedem Gebetshaus der Sikhs, also in jedem Gurdwara. Aber auch Bildungsinitiativen und Projekte zur Armutsbekämpfung werden damit bezahlt. Ziel ist, dass niemand in der Gemeinschaft hungrig oder durstig bleibt.

Manche Religionen kennen sowohl Pflichtabgaben als auch freiwillige Spenden

Im Islam ist die „Zakat“, also die Almosengabe, ein religiöses Gesetz. Die Zakat gehört zu den Fünf Säulen des islamischen Glaubens. Ein bestimmter Anteil des Einkommens muss an Bedürftige gespendet werden. Heute gibt es dafür Zakat-Spendenagenturen, die das gesammelte Geld auf die Wohlfahrtsorganisationen verteilen. Viele Musliminnen und Muslime nutzen den Ramadan für diese Abgabe. Neben der Pflichtabgabe gibt es aber jederzeit die Möglichkeit, freiwillig zu spenden. Solche Spenden heißen Sadaqa. Ziel der Zakat ist die Bekämpfung der Unterschiede von Arm und Reich, um eine gerechtere Gesellschaft aufzubauen.

Ähnlich funktioniert auch die „Huququ’llah“ bei den Bahai. Dort sollen 19 Prozent von Ersparnissen abgegeben werden, nicht vom Einkommen. Die Abgabe betrifft also vor allem Menschen, die so viel Geld verdienen, dass sie davon etwas sparen können. Besonders reiche Menschen sollen Arme unterstützen. Mit den Einnahmen aus der „Huququ’llah“ werden Projekte gefördert, die Menschen dabei unterstützen, dauerhaft für sich selbst zu sorgen. Außerdem wird allen Bahai geraten, auch freiwillig zu spenden.

In anderen Religionen ist die Spende eine moralische Pflicht

Im Hinduismus gibt es die Idee des „Dana“, also der Freigebigkeit oder Großzügigkeit. Die Spende gilt dort als wichtige Tugend. Mit innerer Reinheit steigt die Bereitschaft zu spenden und zu helfen. Die Spenden kommen einerseits den Priesterinnen und Priestern in den Tempeln zugute, die selbst kein eigenes Einkommen haben. Sie werden von der Gemeinschaft versorgt. Andererseits wird auch für Bedürftige oder soziale Einrichtungen wie Suppenküchen oder Obdachlosenunterkünfte gespendet. So entstehen beim Spenden positives Karma und ein Beitrag zur Gerechtigkeit in der Welt.

Auch im Buddhismus ist „Dana“ ein wichtiger Bestandteil des Lebens, um positives Karma anzusammeln. Spenden werden vor allem an die Mönche und Nonnen in den Klöstern abgegeben. In manchen Ländern, in denen viele Buddhistinnen und Buddhisten leben, spenden die Gläubigen auch Kleidung, meist am Ende der Regenzeit „Vassa“. Solche Spenden helfen auch, dass Gier und Neid weniger werden.

Bei einigen steht der Zusammenhalt der Gemeinschaft im Vordergrund

Im Alevitentum gibt es keine vorgeschriebene Pflicht, regelmäßig Geld zu spenden oder einen festen Anteil des Einkommens abzugeben. Dennoch spielt das Teilen eine wichtige Rolle im Glauben. Wer mehr hat, soll mit denen teilen, die weniger haben. Das geschieht meist freiwillig. Besonders in der Cem-Gemeinde, also bei den religiösen Zusammenkünften, wird gemeinsam gegessen und geteilt. Die Gläubigen bringen Essen, Getränke oder Geld mit, um daraus ein gemeinsames Mahl, das sogenannte Lokma, zuzubereiten. Dieses Essen ist für alle da - unabhängig davon, ob jemand viel oder wenig besitzt.

Auch im Jesidentum gibt es keine Spenden- oder Steuerpflicht. Für Jesidinnen und Jesiden steht aber der Zusammenhalt der Gemeinschaft über allem. Daher ist es für die jesidische Gemeinschaft selbstverständlich, in Not geratenen Mitgliedern zu helfen und sich gegenseitig zu unterstützen.

Alle wollen die Welt ein Stück besser machen

Ob mit festen Regeln oder freiwillig, alle Religionen verbinden mit dem Spenden die gleiche Idee: Wer teilt, macht die Welt gerechter und erinnert daran, dass Besitz Verantwortung bedeutet. Deshalb engagieren sich viele Gläubige auch ehrenamtlich in Obdachlosenunterkünften, Lebensmitteltafeln, Suppenküchen, Bahnhofsmissionen, Seniorenheimen und anderen Einrichtungen.

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