Gebete im Jesidentum
- geben Orientierung und vermitteln Zusammenhalt
25.10.2022 - 13:25

Im Jesidentum sind Gebete wichtige religiöse Elemente des Lebens. Jesidinnen und Jesiden benennen ihre Gebete mit dem Begriff dua.

Das Jesidentum kennt fünf tägliche Hauptgebete, die aber nicht alle zusammen verpflichtend sind. Je nach Glaubenstradition sind auch nur drei oder vier Gebete im religiösen Alltag üblich. Die fünf Hauptgebete sind:

1. Das Gebet zum Sonnenaufgang: Dua Fecrê

2. Das Morgengebet im Laufe des Vormittags: Dua Sibê

3. Das Mittagsgebet: Dua Nîvro

4. Das Abend- oder Sonnenuntergangsgebet: Dua Êvarê

5. Das Gebet unmittelbar vor dem Schlafengehen: Dua Ser Belgî (Şehda Dînî)

Das Gebet „Dua Ser Belgîenthält gleichzeitig die Bezeugung des Glaubens und das Bekenntnis zum Jesidentum.

Neben diesen Gebeten zu bestimmten Tageszeiten gibt es feste Gebete zu Feiertagen und zu bestimmten Anlässen, zum Beispiel für Hochzeiten.

In den Gebeten wird jedoch nicht nur an das Jesidentum gedacht, sondern auch an alle anderen Religionen und Völker. So heißt es in einem Gebet: “Gott, schütze zuerst die 72 Völker und dann uns”. Mit den 72 Völkern sind im Jesidentum alle Völker und Nationen der Welt gemeint.

Charakteristisch für das Jesidentum ist neben den rituellen Gebeten das individuell frei verrichtete Gebet. Jesidinnen und Jesiden formulieren dann das, was in diesem Moment aus ihren Herzen spricht. Also all das, was sie erfreut oder belastet.

Vor dem eigentlichen Gebet sprechen viele Jesidinnen und Jesiden folgende Zeilen:

„O Herr, Du bist der Allmächtige,
Du bist mein Schöpfer, Du bist des Lobes und Preises würdig,
Du bist rein und fehlerfrei,
Du hast tausend und einen Namen;
Der Name Xwedê (Gott) ist der lieblichste und schönste dieser Namen.
O Herr, Du bist ewig und immerwährend.
Du bist ohne Anfang, Du hast die Zeit geschaffen, Du bist der Schöpfer der Erde und des Himmels,
Du bist Balsam für alle Schmerzen und Leiden.”

Die Gebete wurden früher mündlich von Generation zu Generation weitergegeben. Mittlerweile liegen die Gebete in schriftlicher Fassung vor – auch übersetzt in die deutsche Sprache.