Tieropfer im Judentum

- ein Korban, um G'tt nahe zu sein
Person hält junges, schwarzes Lamm
epd-bild/Daniel Peter
Früher wurden im Judentum Tiere geopfert, um G‘tt nahe zu sein. Heute versuchen Jüdinnen und Juden, im Gebet und in ihren Handlungen G’tt nahe zu sein.
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In der Antike war es in den meisten Religionen üblich, Göttinnen und Göttern Opfer darzubringen. Tieropfer hatten das Ziel, etwas von den Göttern zurückzubekommen, beispielsweise Nahrung, ein gutes Leben oder auch Siege in Kriegen.

Der Opferdienst im Judentum war etwas ganz anderes. "Opfer" ist die im Deutschen verwendete Übersetzung des hebräischen Begriffs "korban". Die Mehrzahl davon ist "Korbanot". Korban kommt von der Wurzel "karaw". Karaw bedeutet "Nähe", "etwas oder jemandem nahe sein oder nahekommen". Ein Korban wurde also nicht praktiziert, weil Jüdinnen und Juden etwas von G‘tt wollten, sondern um G‘tt nahe zu sein.

Warum wurden Tiere geschlachtet, um G'tt nahe zu sein?

Vielleicht war die Form des Tieropfers beeinflusst von den anderen Kulturen der Antike. Eine jüdische Antwort dazu findet sich in der Tora. Das erste dort beschriebene Korban steht im Zusammenhang mit dem Essen von Fleisch. Menschen sollen eigentlich gar kein Fleisch essen. Denn alles in der göttlichen Schöpfung, das atmet, hat eine Seele. G‘tt sah jedoch, dass die Menschen sich nicht daran halten können. Aus diesem Grund soll der Mensch das Tier, das er essen möchte, zumindest in einer Zeremonie als Korban darbringen. So macht der Mensch sich bewusst, was er tut und bleibt nahe an G‘tt und seiner göttlichen Schöpfung.

Neben dem Essen von Fleisch gibt es auch für Verstöße gegen die 613 Lebensregeln Mizwot in der Tora verschiedene Korbanot. Jedes Korban soll Jüdinnen und Juden wieder auf den göttlichen Weg zurückführen und so G’tt näherbringen. Im Tanach sagt G'tt an einer Stelle auch, dass ihm die Form des Opferdienstes nicht das Wichtigste ist, sondern dass Jüdinnen und Juden G’tt nahekommen wollen.

Der Opferdienst im jüdischen Tempel

Die verschiedenen Korbanot des Opferdienstes sind kompliziert, daher halfen Spezialisten bei ihrer Durchführung: die Priester Kohanim und ihre Helfer Leviim. Dies geschah an einem dafür bestimmten Ort, zuerst im sogenannten Stiftszelt, danach im ersten und zweiten jüdischen Tempel. Das Korban war für alle Jüdinnen und Juden eine Pflicht. Der Tempeldienst war also eine sehr große und aufwendige Aufgabe.

Seit der Zerstörung des zweiten Tempels durch die Römer ist der Dienst im Tempel nicht mehr möglich. Stattdessen versuchen Jüdinnen und Juden, im Gebet und in ihren Handlungen G’tt nahe zu sein. Jedoch ist bis heute ihr Wunsch nach einer Wiedererrichtung des Tempels ein wesentlicher Teil der Liturgie sehr groß und wird von den meisten jüdischen Strömungen vertreten. Welche Form der Dienst zukünftig haben wird, wird sich nach seiner Wiedereinrichtung zeigen.

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