© Debora Lapide
Tempel im Judentum
- das Zentralheiligtum ersetzen heute Synagogen
Debora Lapide

Den ersten Tempel ließ vor etwa 3.000 Jahren König Davids Sohn Salomo errichten. Als Bauplatz wählte er den Ort, der Juden schon damals heilig war, denn dort hat Gott einst Abraham auf eine harte Probe gestellt. Abraham gilt als Urvater der Juden, Christen, Muslime und Bahai. Laut Überlieferung verlangte Gott von Abraham, auf dem Tempelberg, dem Berg Morija, seinen Sohn Isaak zu opfern. Im Allerheiligsten des Ersten Tempels stand eine goldene Truhe. Sie hieß Bundeslade. In ihr bewahrten die Juden die Steintafeln mit den Zehn Geboten auf, die Mose nach dem Glauben der Juden und Christen auf dem Berg Sinai von Gott erhalten hatte. Im Jahr 587 vor Christi Geburt zerstörten die Babylonier den Ersten Tempel der Juden. Damals verschwand auch die Bundeslade. Der Prophet Jeremia soll sie vor den Feinden versteckt haben. Seither ist sie verschwunden.

Im Jahr 520 vor Christus begann der Wiederaufbau des Tempels. Das dauerte ungefähr fünf Jahre. Dann wurde der Zweite Tempel eingeweiht. Diese Geschichte steht in der Hebräischen Bibel in den Büchern „Esra“ und „Nehemia“. Die beiden haben den Wiederaufbau des zerstörten Ersten Tempels veranlasst.

500 Jahre später herrschte König Herodes über das Land. Er ließ den Tempel aus- und umbauen. Im Jahr 70 nach Christi Geburt zerstörten die Römer den heiligen Tempel und damit das Zentralheiligtum der Juden erneut.

Der Vorläufer des Tempels war die Stiftshütte, die das Volk Israel auf ihrem Weg durch die Wüste begleitete. Wie sie war auch der Tempel aufgeteilt in einen Vorhof, getrennt für Männer und Frauen. Auch Nichtjuden, die sich für das Judentum interessierten, die Proselyten, hatten einen eigenen Vorhof. Dann kam der Altarbereich, in den nur die Priester gehen durften. Sie mussten sich vorher am Waschbecken rituell waschen.
Von dort gingen die Priester ins Innere des Tempels, wo der 7-armige Leuchter, die Menora, stand sowie der Schaubrottisch und der Rauchopferaltar für Kräuter. Das Allerheiligste war durch einen Vorhang getrennt. Es durfte nur vom Hohepriester einmal im Jahr an Jom Kippur, betreten werden. Hier stand die Bundeslade mit dem Cherubim darauf.

Ein drittes Mal wurde der Tempel nicht wieder aufgebaut. Ihre Gottesdienste feiern Juden heute in der Synagoge.

Der Westteil der Mauer, die das Tempelgelände seit Herodes umgab, steht heute noch. Juden nennen die Westmauer Kotel haMa‘arawi. Sie ist auch als Klagemauer bekannt. Viele Juden kommen dorthin, um zu beten. Für jüdische Jungen ist es ein besonderes Erlebnis, wenn sie dort ihre Bar Mizwa feiern dürfen. Aber auch viele Touristen besuchen den Ort täglich. 

Neben der Klagemauer stehen auf dem Tempelberg heute der Felsendom und die al Aqsa-Moschee der Muslime.  

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