Rituelle Waschungen
- kennen viele Religionen
epd-bild/Volker Hoschek
Ayhan Yilmaz wäscht seine Füße in einem Brunnen für rituelle Waschungen vor dem Gebet in der Mevlana Moschee in der Schwäbisch Hall, Baden-Württemberg .

Viele Religionen kennen rituelle Waschungen. Mit ihnen befreien sich viele ihrer Anhänger symbolisch von schlechten Gedanken und Taten. So wollen sie ihrem Schöpfer "rein" gegenübertreten oder eine neue Zeit "rein" beginnen. Sie waschen also keinen äußeren Schmutz ab, sondern seelischen Schmutz.

Juden

  • ... waschen sich nach dem Aufstehen und vor dem Essen eines Brotes rituell die Hände. Nach dem Aufstehen sprechen sie die passenden Gebete und Segnungen. Über dem Brot sprechen sie einen Segen. Nach ihrer Monatsblutung, an Feiertagen und vor ihrer Hochzeit nehmen viele Jüdinnen ein Tauchbad in der Mikwe. Viele Männer reinigen sich darin nach jedem Geschlechtsverkehr oder Samenerguss, manche auch vor dem Schabbat. Selbst Geschirr wird in einer besonderen Mikwe koscher, also brauchbar, gemacht. Die Mikwe schützte Juden schon im Mittelalter vor manchen Seuchen. Im 19. Jahrhundert griffen ihre Nachfahren die guten Erfahrungen mit den Reinigungsbädern auf und errichteten in den Städten öffentliche Wasch- und Badehäuser für Nichtjuden. Damit waren sie so etwas wie Trendsetter in der Hygiene.

Muslime

  • ... bereiten sich mit einer Waschung auf das Gebet vor. Sie heißt auf Arabisch Wudū' und auf Türkisch Abdest und ist ein Ritual mit einem festen Ablauf.

Hindus

  • ... duschen oder waschen sich an jedem Morgen, vor jedem Gebet und vor jeder Meditation. Das gilt im Tempel ebenso wie zu Hause. Mit dieser rituellen Handlung schützen sie andere und sich selbst schon seit Jahrtausenden vor Krankheiten. Ebenso lange vermeiden Hindus übrigens Ansteckungen durch Quarantäne. Auch wenn nur ein Familienmitglied betroffen ist, ziehen sich bei bestimmten Krankheiten alle Mitglieder des Haushaltes in die Isolation zurück. Die Regeln in der Corona-Pandemie waren für sie also nichts Neues.

Christen

  • ... kennen in ihrer Religion keine rituellen Waschungen, die für alle gelten. Nur in der katholischen Kirche gibt es einen Brauch zu diesem Thema. Danach wäscht der Papst am Gründonnerstag einigen Menschen die Füße. Damit erinnert er am Donnerstag vor Ostern daran, dass Jesus am Abend seiner Verhaftung ebenfalls anderen die Füße wusch.