Bunte, ausgeschnittene Hände auf schwarzem Papier im Kreis angeordnet.
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Jom Kippur
- beendet die jüdische Reuezeit
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Orthodoxe Juden beten an Jom Kippur, dem Versöhnungstag, an der Klagemauer in Jerusalem

Der strenge Fastentag Jom Kippur ist neben dem Schabbat der wichtigste Feiertag im Judentum. Der Name heißt übersetzt „Tag der Bedeckung“. Heute würden wir sagen „Schwamm drüber“. Damit ist gemeint, dass Gott an diesem Tag alle wirklich ernsthaft bereuten Sünden vergibt.

Viele Jüdinnen und Juden halten sich am Jom Kippur-Tag den ganzen Tag über in der Synagoge auf, besuchen den Gottesdienst und beten dort. Nach der Toralesung bezieht die Gemeinde auch die Verstorbenen mit einer kleinen Gedenkfeier mit in die Feierlichkeiten ein.

In der Bibel heißt es zu Jom Kippur: „Am zehnten des siebenten Monats (Tischri) sollt ihr eine heilige Versammlung halten, und ihr sollt eure Seelen demütigen“. Die Gelehrten deuten dies als Aufforderung, an diesem Tag auf das Essen und andere Dinge zu verzichten. 

Daher  fasten an Jom Kippur viele Jüdinnen und Juden 25 Stunden lang. Auch Mädchen ab 12 und Jungen ab 13 Jahren, die schon ihre Bat Mizwa und Bar Mizwa gefeiert haben, machen mit. Kinder ab ca. 6 Jahren dürfen das Fasten ein wenig üben. Manche Jüdinnen und Juden verzichten an diesem Feiertag außerdem aufs Duschen und Schminken, auf Sex, Fernsehen, Computerspiele und andere Dinge. Taschen, Schuhe und Jacken aus Leder bleiben in vielen Familien an diesem Tag unbenutzt. Das erinnert sie daran, dass viele Tiere für diese Dinge getötet werden müssen. Außerdem waren Schuhe und andere Dinge aus Leder früher Luxusartikel, und diese sind in der Fastenzeit verboten.

Vor allem orthodoxe Gläubige kleiden sich an Jom Kippur in ihre weißen Totenhemden, die sie später einmal im Sarg tragen werden. Der Grund: Weiß ist die Farbe der Reinheit. Die weißen Totenhemden sind ein Zeichen dafür, dass ihre Träger vor Gott treten, der über sie richtet - und sogar ein Todesurteil fällen kann.


Was feiern viele Jüdinnen und Juden an Jom Kippur?

Nach jüdischem Glauben entscheidet Gott am Jom Kippur-Tag über das Schicksal der Menschen. An diesem Tag endet die zehntägige Bußzeit nach Rosch Haschana. In ihr sollen sich alle Menschen wieder vertragen, die sich im Laufe des Jahres gestritten, beleidigt oder auf andere Weise verletzt haben. Jüdinnen und Juden glauben, dass Gott ihr Fasten als Zeichen der Reue am Jom Kippur-Tag annimmt, ihnen vergibt und sie von ihren Sünden befreit. Der letzte Fastentag gilt daher als Tag der abschließenden Reue, Buße, Umkehr und Besiegelung.

Jom Kippur ist auch bekannt unter dem Namen „Versöhnungstag“. Expertinnen und Experten sind jedoch der Ansicht, dass dieser Name durch einen Übersetzungsfehler und Missverständnisse entstanden und falsch ist.